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Als wir um 6:30 Uhr die Filliale betreten, ist alles noch still, friedlich, sauber,
ordentlich verpackt und wir begeben uns ins Lager um Brotwaren, sowie Obst und Gemüse in den Verkaufsraum zu schleppen.
Der Obstlieferant hat uns wieder mal im Stich gelassen, keine Ware da und auch ein Anruf bringt nicht den erhofften Erfolg.
So entschliessen wir uns ein paar Paletten Ware in die Regale zu räumen, die Obsttheke zu säubern und die
Brotwaren in den Verkauf zu bringen.
Viel zu schnell vergeht wieder einmal die Zeit und wie so oft überschlagen sich dann die Ereignisse.
Die Kassen werden gezählt, für den Kassiervorgang vorbereitet, am Telefon meldet sich plötzlich eine Kollegin die
krank wurde, der Gemüselieferant steht am Eingang, zick Kunden bereits vor der Türe. Montag ...."i don't like mondays"!
10 Minuten vor 8:00Uhr .....ich sperre auf, der erste Kunde begrüsst mich mit
einem freundlichen "wurde aber auch Zeit, wir warten hier schon eine Ewigkeit" ....na klasse.
Während meine Kollegin ihre Kasse öffnet, versuche ich durch die motzende Kundenmenge, Einkaufswägen,
quängelnden Kindern, einen Weg zur Obsttheke zu finden um den Marktleiter zur Hand zu gehen.
Endlich an der Lagertür erwartet mich eine Schlange Pfandkunden ...."fein dass sie auch schon hier sind,
nehmen sie meine Pfandflaschen heute noch, oder soll ich in einer Woche wiederkommen?"
Ich atme tief durch, zähle innerlich bis 5 und lass ein "guten Morgen" von mir hören.
Nebenan mein Chef "Hackengas, die Ware muss rein"....!
Mein nächstes Leben starte ich sicher nicht ohne 10 Hände, fünf Köpfe und 6 Beine.
....ich sehe um die Ecke ...ein Kunde hat soeben mit dem Einkaufswagen einen
Karton mit Rotwein aus dem Regal gestossen. "Oooops", höre ich noch, bevor er sich
umdreht und ohne den Schaden auch noch einmal genauer zu betrachten, seinen Weg durch den Laden fortsetzt.
Noch während ich in einer riesigen Pfütze aus Rotwein, Glassplittern und aufgeweichten Kartonteilen stehe,
bemüht bin diese zu entfernen, zupft mich eine Kundin von hinten an...."hallo Fräulein....gibt's heute kein Obst?"
Noch bevor ich ihr antworten kann, der nächste Kunde "könnten sie mal einen Karton Bananen aus dem
Lager holen, hier sind keine mehr"....
Sind die denn alle blind? Nein ...ich stehe ich zum Vergnügen in einer Pfütze Rotwein,
weil dies ja schliesslich zu einer meiner morgendlichen Gymnastikübungen gehört.
Irgendwann ist der Schaden behoben, Obst und Gemüse da wo es
hingehört ...die Kunden scheinbar zufrieden ...."scheinbar".
Die Lieferung mit "Frische" ist da ...Milch, Joghurt, Käse usw müssen schnellstens in die Kühlregale.
"Klingel" ...ich muss zur Kasse ..dort angekommen höre ich "ach das Fräulein hat
ihre Pause auch schon beendet". Tief durchatmen, lächeln ...denn eine Verkäuferin ist kein Mensch mit Nerven.
Ich helfe meiner Kollegin die Kundenschlangen zu bewältigen und hetze wieder nach hinten.
Dabei fällt mir ein Kunde auf, der an der Obsttheke steht und Kirschen futtert.
Das kann ja nicht sein oder? Ich pirsche mich von hinten an ....während er seelenruhig die
Kerne auf den Boden spuckt. Ich stelle mich neben ihn und frage:"Tschuldigung, was machen sie da?".
Es wäre sein gutes Recht die Ware zu prüfen, also zu kosten, bevor er sie kauft, meint er schnippisch.
Kein Mensch regt sich auf, wenn man (Frau-Kunde) mal eine Weintraube, Kirsche oder ähnliches probiert,
aber das geht dann doch ein bischen zu weit. Ich fordere ihn auf, dies bitte zu unterlassen
und vor allen Dingen die Kerne nicht auf den Boden zu spucken.
Er dreht sich um, geht weiter und fünf Minuten später erwische ich ihn, als er eine Dose
Energy-Drink öffnet, trinkt und die Dose wieder ins Regal stellt.
No Comment, da fällt mir echt nix mehr zu ein.
Es ist kurz vor 12:00Uhr, im Laden tanzt der Bär, weder meine Kollegin noch ich hatten bisher eine Pause.
Naja mal schaun ...probieren könnte ich es ja mal. Ich gehe zur Kasse, informiere sie und mache
mich auf den Weg in den Pausenraum. "Ahhhhhhhhhhhhhhhhhhhh" Stille! Während ich mich setze, zünde ich
mir eine Zigarette an, nehme einen tiefen Zug. "KLINGEL" ...na super, wusste ich's doch.
Ich gehe zur Kasse, abgelöst werde ich dort erst wieder um kurz vor 14:00Uhr ..als die Spätschicht kommt.
Eigentlich ist jetzt Feierabend, doch mein Chef bittet mich noch zu bleiben, da weder Ware noch Tiefkühlkost
eingeräumt wären. Hilft ja nix, also bleibe ich, mache mich auf den Weg in den hinternen Teil des
Ladens und öffne den ersten Tiefkühlbehälter.
Nebenbei versuche ich die Aktionsartikel ein wenig zu sortieren ...hier sieht es aus wie auf einem Schlachtfeld.
Mein Blick schweift für kurze Zeit über den Laden und ich beobachte die Kunden.
Sie werfen achtlos leere Kartons, Kaugummi, Einkaufszettel, Abfall auf den Boden.
Ob sie das zu Hause auch so machen? Ich finde in einem Regal, zwischen den
Putzmitteln zwei Packungen Eis...aufgetaut. Ich schüttel nur den Kopf, denn
das scheint an der Tagesordnung zu sein. Abends wenn der Laden geschlossen hat, wir putzen
und aufräumen finden wir immer wieder aufgerissene Ware .....manche Kunden scheinen den Laden
mit einem "hieristallesumsonstundchkannhierkostenlosessenbereich" zu verwechseln.
Ein Kunde reisst mich aus meinen Gedanken ...."könnten sie mir mal helfen?" ....."aber klar
doch, was gibts denn?" "Welche Pizza schmeckt am Besten"? ...höre ich. "Tja das ist Geschmackssache,
kommt darauf an welchen Belag sie bevorzugen"......."und wie schmeckt der Broccoliauflauf?" ....."das weiss ich leider
nicht, den habe ich noch nicht probiert".
"Wissen sie denn überhaupt irgendwas?"...kommt ziemlich schnippisch von ihm und
er dreht sich um und geht weiter. Ich sehe zu, dass ich die Behälter mit Tiefkühlkost entleere,
denn es ist bereits 16:00 Uhr und ich will endlich nach Hause. 9 1/2 Stunden Dauerpower sind
vorbei, mir tun die Füsse und Ohren weh, ich sehne mich im Moment nur noch nach Stille.
....
Dies ist der Auszug eines relativ normalen Tages eines Verkäufers ...Stress, Hektik, Zeitdruck,
vorwiegend schlechtgelaunte, motzende Kunden, beherrschen unseren Arbeitstag.Die Geräuschkulisse unter
der wir arbeiten ist enorm ....Klingeln, Kassengeräusche, Lachen, Schreien, Weinen,
permanente Geräusche zerren an den Nerven. Wir sind Anlaufstelle für alles Negative,
für jede Beschwerde ...werden für alles verantwortlich gemacht - egal ob es in unserer
Macht liegt es zu ändern oder nicht, egal ob es offensichtlich ist, dass der Verkäufer die
falsche Ansprechperson für das Problem ist.Die Tage vor und nach den Feiertagen sind die
Schlimmsten ...dann kommt's echt dick. Doch meist ....sind wir freundlich, lächeln - trotz allem!
Die meisten von uns lieben ihren Beruf, üben ihn gerne aus ...doch was wir uns wünschen, ist ein
klein wenig Verständnis der Kunden ....Einsicht, wenn's mal wieder etwas länger dauert ....Verständnis wenn uns
nach einigen Stunden Vollpower und Stress mal nicht nach Lachen zumute ist ....Erkenntnis, dass eine
Beschwerde dort angebracht werden sollte, wo auch Änderungen vorgenommen werden können.
Wenn man beide Seiten versucht zu verstehen, versucht sich in die Lage
des anderen hineinzuversetzen, wir das Einkaufen für beide Parteien angenehmer.
Kunden sowie Verkäufer sollten "miteinander und füreinander" und nicht gegeneinander.
Diesen Beitrag schrieb ich, da mir klar ist, dass unseren wirklichen Alltag nur wenige kennen ...
vielleicht versteht ihr den einen oder anderen Verkäufer nun ein wenig besser?
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